STARTup Tour: Flixbus

IMGP1552Im Rahmen der STARTup Tour hat STARTmunich Ende Mai 2013 das Startup Flixbus in München besucht. Flixbus bietet Busverbindungen im Fernverkehr durch ganz Deutschland an.

Werden die orange-blauen Busse von Flixbus bald genauso zum Alltag im Fernverkehr gehören wie die ICEs der Deutschen Bahn? Wenn es nach André, Daniel und Jochen von Flixbus aus München geht, soll genau das Wirklichkeit werden. Mit ihrem Produkt positionieren Sie sich allerdings ganz anders im Markt. Unschlagbar günstige Preise, für 15 Euro von München nach Frankfurt. “Ihr seid super, dank euch können meine Freundin und ich uns alle zwei Wochen sehen!”, sind einige Resonanzen auf das neu verfügbare Angebot.

Anfang 2013 ist das Monopol der Deutschen Bahn auf Fernverkehrsfahren bei Strecken über 50 km und einer Stunde Fahrzeit weggefallen. Neben Flixbus haben weitere Anbieter versucht auf dem Markt Fuß zu fassen, sei es Aldi mit der Strategie so günstig zu fahren wie möglich,oder city2city, die besonders auf Strecken erfolgreich sein wollen, wo die Bahn keine guten Verbindungen anbietet. “Wir rechnen damit, dass 2017 noch 2-3 Anbieter Busverbindugnen anbieten, die den Markt unter sich aufteilen”, sagt Daniel voraus.

Screen Shot 2013-05-27 at 9.48.14 PMGegründet haben sie das Unternehmen allerdings schon 2011. Im damaligen Koalitionsvertrag war festgelegt, dass das Monopol wegfallen soll. André und Jochen, damals Berater bei BCG und Daniel, zu dem Zeitpunkt noch bei Microsoft, waren nach einer Marktanalyse überzeugt: Hieraus kann etwas werden. Auch wenn es – wie es ein Investor formulierte – eine große Wette war: dass die Forderung tatäschlich umgesetzt würde, war nicht sicher. Die nächsten zwei Jahre waren geprägt von Analysen: Wie viele Leute fahren täglich von Hannover nach Nürnberg? Welche Strecken lohnen sich finanziell? Wo bekommt man Busse her? Schnell war klar: das operative Geschäft des Busfahrens ist in anderen Händen besser aufgehoben. Zwei Jahre lang haben die drei Geschäftspartner in ganz Deutschland aquiriert, mittelständische und große Busunternehmen, mit denen sie gemeinsam die Strecken anbieten.

Screen Shot 2013-05-27 at 9.43.12 PMAber auch für ein bodenständiges Busunternehmen ist eine Fernverkehrsstecke eine neue Herausforderung. Fahrkartenkontrolle, Fahrgastservice und ab und zu mal die Erklärung, wie man denn eigentlich das WLAN an Bord nutzen kann gehören inzwischen zu den Aufgaben der Busfahrer dazu. Die Streckenplanung und Aufteilung, welcher Fahrer wann wo eingesetzt wird, hat Flixbus inzwischen von den Firmen übernommen. Das ist zentral einfacher zu handhaben. “Wir müssen die Qualität sicherstellen, dann nehmen wir die Aufgaben lieber zu und sind sicher dass sie korrekt ausgeführt werden”, erzählen die Gründer.

Flixbus FotoEine weitere Aufgabe, die das stetig wachsende Unternehmen mit inzwischen 30 Mitarbeitern und dem nächsten anstehenden Umzug am Anfang unterschätzt hat: Telefonservice. “Der Großteil der Mitarbeiter ist inzwischen damit beschäftigt, Auskünfte am Telefon zu erteilen”. Denn Fernbusse und Buchungen im Netz sind für viele der Passagiere ein neues Feld. Auch in den Städten ist es teilweise schwierig, Halteplätze zu finden. Auch wenn es in Großstädten wie München mit professionel gemanagtem ZOB eine perfekte Infrastruktur gibt – in vielen Städten halten die Busse noch abseits an schlecht zugänglichen Orten. Und auch wenn der Bus mal Verspätung hat häufen sich die Anrufe, denn hier geht es den Bussen genau wie der Bahn. Sie haben entweder kaum Verspätung, aber wenn es zu einem Stau kommt – dann gleich mal zwei volle Stunden.

Flixbus hat inzwischen die dritte Finanzierungsrunde hinter sich, Marketing und schnelles Wachstum stehen auf dem Programm. Und die Gründer sind sich sicher: Eine eigene Firma gründen, das würden sie sofort wieder machen. Verantwortung, Gestaltungsspielraum und die vielen unterschiedlichen Aufgaben reizen. Auch wenn die drei sagen würde: Ohne die vorherigen Berufserfahrungen wären sie wohl in diesem Bereich weniger erfolgreich. STARTmunich führt in den nächsten Wochen ein Projekt im Bereich des strategischen Marketings durch, um Mitgliedern Einblicke in die Bereiche eines Startups zu gewähren.